Parlamentarischer Abend der Nord-Süd-Initiative stößt auf breite Resonanz
Artikel aus der IHK-Zeitschrift "Berliner Wirtschaft", Ausgabe 6
Die Forderung der Nord-Süd-Initiative, den Nord-Süd-Korridor von Skandinavien bis zur Adria in seiner gesamten Länge im Kernnetz der Transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN) zu verankern, erfährt breite Unterstützung. So der einhellige Tenor des Parlamentarischen Abends der Nord-Süd-Initiative in Brüssel.
Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des Dialogs europäischer Unternehmer mit den Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Die ökonomische Bedeutung eines verbindenden Korridors unterstrichen in ihren Statements u.a. der Schwede Tommy Halén, Direktor des Hafens Trelleborg sowie Alberto Squarzina, der den italienischen Hafen Ravenna repräsentierte. Von deutscher Seite sind u.a. die Europaabgeordneten Michael Cramer und Joachim Zeller sowie Dietmar Horn als Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung der Einladung gefolgt. Für Berlin konnte Christian Wiesenhütter, einer der Initiatoren der Initiative und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin Maria Krautzberger, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, begrüßen.
Vor allem aber war der Parlamentarische Abend ein Abend der europäischen Unternehmer. Denn auch wenn die Initiative sich im wesentlichen für eine verbesserte Infrastruktur engagiert, geht es bei der Entwicklung des Nord-Süd-Korridors nicht darum Durchgangsverkehr zu erzeugen. Vielmehr sollen Wertschöpfung generiert und neue Arbeitsplätze entlang der Logistikketten geschaffen werden. „Dazu brauchen wir jedoch einen leistungsfähigen Verkehrskorridor, der langfristig dem prognostizierten Verkehrsaufkommen zwischen der Ostsee und der Adria gerecht werden kann“ bestätigte nicht zuletzt Martin Wischner, Geschäftsführer des Rail & Logistic Center Wustermark. Dass dieser Korridor über Rostock und die ostdeutschen Bundesländer verlaufen muss, steht auch für Michael Cramer fest. Denn im Gegensatz zur Route über den Fehmarnbelt, die ausschließlich zusätzlichen Verkehr in den Flaschenhals Hamburg lenkt, ist diese Verbindung deutlich kürzer, schneller, kostengünstiger und effektiver. Auch für die Vertreter der Häfen Trelleborg, Rostock und Ravenna steht fest, dass sie ihrer steigenden Bedeutung als Industrie- und Logistikstandorte nur gerecht werden können, wenn auch langfristig funktionsfähige Hinterlandanbindungen existieren.
Die Relevanz dieses Themas zeigte auch eine Veranstaltung des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V., die bereits am Nachmittag stattfand. Hier konnten Akteure verschiedener Initiativen und Projekte des Ostsee-Adria-Korridors miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Handlungsschwerpunkte in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Logistik und wirtschaftliche Kooperation identifizieren. Gleichzeitig fand eine Sitzung des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments statt und die Anhörung der Koordinatoren für die transeuropäischen Verkehrsnetze ging in die nächste Runde. Letztere sollen am 8. Juni benannt werden.
Die Nord-Süd-Initiative auf einen Blick:
· Um aus dem Entwicklungspotenzial des Wirtschaftsraumes zwischen Skandinavien und der Adria auch reale Wertschöpfung zu generieren, haben sich Unternehmen, Industrie- und Handelskammern, Verbände und Gewerkschaften zu einer Nord-Süd-Initiative zusammen geschlossen.
· Hauptanliegen der Initiative ist es, die Interessen der Wirtschaft entlang der dichten Kette aus Metropolregionen von Skandinavien durch die ostdeutschen Bundesländer und Bayern bzw. Prag und Wien bis hin zur Adria zu identifizieren und zu bündeln.
· Insbesondere will die Initiative die nationalen Regierungen der betreffenden EU-Mitgliedsstaaten, die Europäische Kommission und das Europäische Parlament überzeugen, die Verlängerung der derzeitigen vorrangigen Vorhaben TEN 1 und TEN 22 im künftigen Kernnetz der Transeuropäischen Verkehrsnetze zu verankern, um ein Funktionieren des gesamten Netzes sicherzustellen.
· Im weiteren fördert die Initiative engere wirtschaftliche Verflechtungen, Kommunikation und Innovationen über Ländergrenzen hinweg. Die Initiative ist offen für weitere Partner.

